Frohes Zurücktreten, oder: Der Chaos-AStA frisst seine Kinder

Wir schreiben Mitte Oktober 2015. Das neue Semester fängt an, die Semesteröffnungsfete steht vor der Tür. Die SÖF im Wintersemester ist immer ein großer Kraftakt für den gesamten AStA. Jedes unvorhergesehene Problem kann dieses Fest zum Scheitern bringen, da die erste SÖF auch immer eine Zerreißprobe für einen neuen AStA ist. In diesem Moment stellten der AStA-Vorsitzende von CampusGrün und die Finanzreferentin vom Ring Christlich-Demokratischer Studenten fest, dass sie sich nicht leiden können und traten wie in einem schlechten Sketch, beide gleichzeitig zurück, in der Annahme, dass die jeweils andere Person weiterhin im Amt bliebe. Einer ihrer Streitpunkte war der vorangegangene Rücktritt des einzig arbeitenden Referenten für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Macht schon drei in den ersten drei Monaten.

 

In den Monaten bis zum Jahresende gab es weitere vier Rücktritte. Anfangs zwei, einen aus Kultur und einen weiteren aus Presse. Beide in Zusammenhang mit der fehlenden Mitarbeit der politischen Referent*innen bei der SÖF, die wie eingangs erwähnt ein Projekt des gesamten AStA ist, sowie der Rücktritte der Vorstandsmitglieder. Die Referentin aus Presse war auch Mitglied des Vorstandes, sodass im November der Vorstand vorerst nur aus einer autonomen Referentin bestand. Kurz vor Ende des Jahres folgten die zwei weiteren Referentinnen für Presse, die für ihre nicht geleistete Arbeit auch noch ein Ehrenamtszertifikat forderten. 

 

In der Zwischenzeit, also November und Dezember, fand ein regelrechtes Bäumchen-wechsel-dich!-Spiel im AStA statt. Der Ökologie-Referent wechselte in den Arbeitsbereich Studierendenwerk, die Kulturreferentin wurde neue Finanzreferentin, der Referent für Soziales wurde neuer Vorsitzender und schwächte somit seinen wichtigen Arbeitsbereich. Das blieb nicht ohne Folgen, wenn man sich anschaut, dass viele Arbeitsbereiche hinter ihren im Koalitionsvertrag gesteckten Ziele blieben und ihre Arbeit, für die sie immerhin 300-400  € monatlich als Aufwandsentschädigung erhalten, nicht als wirkliche Arbeit sehen, sondern als ein vernachlässigbares Ehrenamt.

 

Es ist Ende 2015, die Legislaturperiode ist keine sechs Monate alt und wir haben sieben Rücktritte. Das StuPa-Präsidium führte dafür sogar eigens Vordrucke für ein Rücktrittsschreiben aus dem AStA ein. Da dachte man sich wohl: Neues Jahr, neues Glück. Und tatsächlich. Es wurde ruhiger. Bis auf eine Ausnahme. Ein seit der SÖF schwelender Konflikt im Arbeitsbereich für Kultur fand im Frühjahr mit dem Rücktritt einer Referentin ihren Höhepunkt.

 

Der Personal-Hickhack im Chaos-AStA beschäftigte alle Beteiligten mehr als die Arbeit für die Studierenden, die im Vordergrund stehen sollte. Dass es im Zuge der Personalquerelen mit acht Referent*innen insgesamt ein Drittel der ursprünglich angetretenen Referent*innen nicht bis zum Ende der Legislaturperiode geschafft hat, hat auch deutlich zu den schlechten Bilanzen der einzelnen Arbeitsbereiche beigetragen.