DAS RLP-Ticket: Ein Schritt vor - zwei Schritte zurück

Wenn in der Hochschulpolitik vom Rheinland-Pfalz-Ticket die Rede ist, dann ist damit die Idee gemeint, dass man mit dem Semesterticket in ganz Rheinland-Pfalz ohne zusätzliche Kosten mit Bus und Bahn fahren kann. Manche von Euch wundern sich sicher, dass immer wieder das RLP-Ticket als Wahlkampfthema bei den verschiedenen politischen Hochschulgruppen auftaucht. Der Grund dafür ist natürlich, dass die Erweiterung des Semestertickets um ganz Rheinland-Pfalz für viele Studierende eine erhebliche Erleichterung wäre. Warum das RLP-Ticket dennoch nach so vielen Wahlen noch nicht umgesetzt ist, ist auch einfach zu erklären: Um ein RLP-Ticket zu bekommen, muss man nicht nur lange mit vielen verschiedenen widerspenstigen Verkehrsbetrieben verhandeln, sondern auch mit den anderen Hochschulen in Rheinland-Pfalz. Das dauert.

 

In der letzten Legislaturperiode (2014/15) wurden in diesem Bereich viele Fortschritte errungen. Zum einen wurde die Forderung von der Landespräsidentenkonferenz unterstützt und zum anderen konnte der damals noch rot-grüne AStA erreichen, dass alle ASten in Rheinland-Pfalz gemeinschaftlich Verhandlungen zu einem RLP-Ticket aufnehmen und vorantreiben wollen.  Zuletzt fand das RLP-Ticket auf Antrag der Juso-Hochschulgruppe Mainz auch ihren Weg in das Wahlprogramm der SPD zur Landtagswahl, so dass nun auch die neue Landesregierung dieses Vorhaben unterstützt.

 

Ein wichtiges Thema also, dass sich die  grün-schwarze Koalition auch prompt in den Koalitionsvertrag geschrieben hat. Geschehen dazu ist jedoch nichts. Der Arbeitsbereich für Verkehr im grün-schwarzen Chaos-AStA fand das Thema nicht wirklich wichtig. Auf einer Vollversammlung im Wintersemester 2015 erklärte das Verkehrsreferat schließlich, dass es zu dem Thema nicht arbeite, da das RLP-Ticket „zu teuer“ sei. Hat er vielleicht Informationen, die der Rest von uns nicht hat? Nein. Denn auf die Frage, was das RLP-Ticket denn kosten solle, konnte er keine Antwort geben. Auf derselben Vollversammlung erklärte das Verkehrsreferat auch, dass es von den anderen rheinland-pfälzischen ASten noch Treffen zu dem Thema gegeben, daran jedoch niemand mehr von der Uni Mainz teilgenommen habe.

 

Nach all den Fortschritten des vorangegangenen Jahres soll es also das Ziel sein, die anderen ASten für uns verhandeln zu lassen und dann mal zu schauen, was rauskommt ohne selbst Arbeit reinzustecken? Als mit Abstand größte Hochschule des Bundeslandes hat die Uni Mainz die größte Verhandlungsmasse in den Raum zu werfen: 32.000 Studierende sind in Verhandlungen ein viel größeres Gewicht als kleine Hochschulen wie Worms oder Bingen in den Ring schicken können. Im grün-schwarzen Chaos-AStA scheint dieses Potential aber niemanden zu interessieren.

 

Ein RLP-Ticket um jeden Preis will in der hochschulpolitischen Landschaft selbstverständlich niemand. Um den Preis zu kennen, muss man aber natürlich erstmal in Verhandlungen gehen. Und am Ende müsste in einer Urabstimmung geklärt werden, ob der verhandelte Preis der Mehrheit der Studierenden zu hoch ist oder nicht. Hat der AStA das Projekt also einfach aufgegeben oder liegt es einfach nur an dem Referenten, der  auch auf StuPa-Sitzungen wenig von seiner Arbeit zu berichten weiß und sich zuletzt auf einem AStA-Plenum in dem für Fragen vorgesehenen Tagesordnungspunkt gar weigerte Fragen zu beantworten? Dass Grün-Schwarz nicht mehr zum RLP-Ticket arbeitet, scheint aber niemanden dort zu stören, wenn man sich anschaut, dass CampusGrün und RCDS auch zu dieser Wahl wieder unverdrossen mit dem RLP-Ticket werben.

 

Zuletzt berichtete eine Referentin für Hochschulpolitik im April 2016, die ASten in Rheinland-Pfalz hätten jetzt sich „erstmals“ entschieden, gemeinsam in die Verhandlungen zu gehen. Ihr Mitreferent korrigierte sie zwar umgehend, dass dies keine neue Entwicklung sei, doch die Aussage allein ist ein  deutliches Zeichen, dass im grün-schwarzen AStA Unwissenheit und Desinteresse an diesem Thema herrscht. Das hindert Grün-Schwarz natürlich nicht daran, so zu tun, als habe man das Rad neu erfunden, wenn man es tatsächlich nur geschafft hat zum Ist-Zustand der letzten Legislatur zurückzufinden.

 

Zu hoffen bleibt, dass die Studierenden nicht den Preis für das Nichtstun und den Stillstand, verursacht durch den derzeitigen Chaos-AStA, tragen müssen und die Verhandlungen im nächsten Jahr wieder weitergeführt werden können.