Stellungnahme zu den Vorkommnissen im Rahmen des fclr

Das festival contre le racisme (fclr) des Allgemeinen Studierendenausschusses der Uni Mainz (AStA) fand vom 06. bis zum 10. Juli 2016 an der Johannes Gutenberg-Universitat Mainz statt. Dieses hatte als Schwerpunktthema Antiziganismus, weitere behandelte Themen waren antimuslimischer Rassismus, Critical Whiteness, sowie Intersektionalität.

 Der erste Zwischenfall, dem einige weitere folgen sollten, war die Absage des einzigen Vortrages zum Thema Antisemitismus und Antifeminismus, die unter dubiosen Gründen von einem Teil des fclr-Organisationsteams betrieben wurde. In unseren Augen konnte die Absage des Vortrages bis heute nicht schlüssig begründet werden. Es wurden viele verschiedene vorgebliche Gründe für die Absage des Antisemitismus-Vortrages angegeben, darunter waren "persönliches Unwohlfühlen", ein vermeintlicher Interessenkonflikt des Vortragenden, eine angeblich fehlende Objektivität des Vortragenden, ein unter fragwürdigen Bedingungen zustandegekommenes und nicht begründetes "Veto" einer Mitorganisatorin, um nur einige zu nennen. Inzwischen wird sogar die unwahre Behauptung gestreut, der Vortragende hätte den Vortrag selbst abgesagt. Keiner dieser genannten Gründe war für uns stichhaltig oder nachvollziehbar. Die Facebookveranstaltung des Vortrages wurde von einer Mitorganisatorin einseitig unter Angabe von "persönlichen Gründen" abgesagt. Die Facebookveranstaltung wurde schließlich gelöscht, nachdem Kritik an der Absage des Antisemitismus-Vortrages dort geäußert wurde. Bis heute hat sich die Person, welche die Facebookveranstaltung und die dortige Diskussion gelöscht hat, nicht zu erkennen gegeben. Der Antisemitismus-Vortrag wurde so kurzfristig abgesagt, dass kein adäquater Ersatz mehr gefunden werden konnte, zumal sich weitere angefragten Expert*innen aus Protest gegenüber der Behandlung der ursprünglich als Vortragenden geplanten Person weigerten, in diesem Rahmen während des fclr einen Vortrag zum Thema Antisemitismus zu halten.

 

Kurz darauf wurde bekannt, dass für die fclr-Veranstaltung "Podium CampusRassismus"als Moderatorin Emine Aslan vorgesehen war. Emine Aslan ist eine ehemalige AStA-Referentin und Mitgründerin der People-of-Color-Hochschulgruppe (PoC-HSG), die im Sommersemester 2015 zurücktrat, nachdem sie wegen verschiedener antisemitischer und antizionistischer Äußerungen in die Kritik geriet (Siehe: http://www.juso-hsg-mainz.de/…/campusgr%C3%BCn-bricht-asta…/). Dass Emine Aslan die Veranstaltung moderieren sollte, wurde im Vorhinein weder dem Studierendenparlament – dieses hat die Finanzierung des fclr genehmigt –, noch dem fclr-Orgateam in seiner Gesamtheit mitgeteilt, sondern wurde erst bekannt, als auf der Facebookseite des Vereins "Each One Teach One Berlin e.V." in einem Veranstaltungshinweis Aslan als Moderatorin benannt wurde.

 

Die Absage des Antisemitismusvortrags und die Einladung der vorbelasteten Emine Aslan nahmen Mitglieder des fclr-Organisationsteams zum Anlass, alle für Vorträge im Rahmen des fclr eingeladenen Referent*innen einer gründlicheren Hintergrundrecherche zu unterziehen. Dabei wurde über den Referenten Elhakam Sukhni bekannt, dass seine Homepage bei der Universität Osnabrück auf eine Arbeit von ihm verlinkte, die auf einem bekannten antisemitischen Portal hochgeladen war. Auf dieser Arbeit verwendete er als Titelbild eine Karikatur, die unter anderem von der antisemitischen BDS-Bewegung als Teil ihres Logos verwendet wird.

 

Aufgrund dieser drei Umstände fand zu Beginn der fclr-Woche eine Krisensitzung des fclr-Organisationsteams statt. Das fclr-Organisationsteam bestand zu diesem Zeitpunkt aus den aktuellen Referent*innen des Arbeitsbereichs für politische Bildung des AStA und ihren Vorgänger*innen, sowie verschiedenen autonomen Referent*innen. Auf der Krisensitzung hat sich das fclr-Organisationsteam darauf geeinigt, dass aufgrund der vorliegenden Informationen Kontakt mit Elhakam Sukhni aufgenommen werden sollte. Dies sollte geschehen, um ihm die Möglichkeit zu geben, zu den bekannt gewordenen Informationen Stellung zu nehmen. Darüber hinaus einigte sich das fclr-Organisationsteam darauf, dass Emine Aslan die Moderation der Veranstaltung "Podium CampusRassismus" aufgrund ihrer antisemitischen Äußerungen in der Vergangenheit nicht übernehmen solle. In einem Schriftverkehr mit Elhakam Sukhni am Tag darauf distanzierte er sich energisch von dem antisemitischen Portal, entfernte umgehend die Verlinkung auf seiner Homepage und kündigte an, dass er die Entfernung seiner Arbeit von dem antisemitischen Portal vorantreiben wolle. Die Verwendung der als Handala bekannten Karikatur erklärte er als rein illustratorisch. Nach dieser Positionierung Elhakam Sukhnis erachtete das fclr-Organisationsteam es als nicht notwendig, die Veranstaltung mit Elhakam Sukhni abzusagen, welche daraufhin planmäßig stattfand.

Als Reaktion auf das Vorgehen des fclr-Organisationsteams warfen Mitglieder der PoC-HSG, die gleichzeitig Referent*innen des AStA und Mitglieder des fclr-Organisationsteams sind, dem übrigen Organisationsteam antimuslimischen Rassismus, Sexismus, Klassismus und Ableismus vor, ohne diese Vorwürfe näher begründen zu können oder zu wollen. Die PoC-HSG reagierte wiederum, indem sie in einer Stellungnahme verkündete, die Veranstaltung "Podium CampusRassismus" aus dem Rahmen des fclr herauszulösen und mit Emine Aslan als Moderatorin in Eigenregie durchzuführen, was dann auch geschah.

 

In dieser Stellungnahme warf die PoC-HSG dem AStA und dem Organisationsteam vor, dass "muslimische Referent*innen, Referent*innen of Color mit Verleumdungen und vorurteilsbeladenen Gerüchten denunziert und diskreditiert werden, um schließlich ausgeladen zu werden." In einer weiteren Stellungnahme knapp zwei Wochen später, als sich der AStA noch in der internen Diskussion der Vorfälle befand, legte die PoC-HSG nach und warf unter anderem dem AStA vor, "Hierfür nehmen sie selbst Rufmord und Verleumdung in Kauf.", sowie dass der AStA "Racial Profiling" betreibe. Darüber hinaus stellte die PoC-HSG in ihrer zweiten Stellungnahme die ebenso falsche wie unverschämte Behauptung auf, der AStA sei "ein Ausschuss also, der aus weißen, cis-, heterosexuellen, nicht-be_hinderten Männern besteht". Die Stellungnahme der PoC-HSG endet mit der Drohung: "Kommt der AStA diesen Forderungen nicht wohlwollend entgegen werden unabhängige Antidiskriminierungsstellen konsolidiert und bisher gefallene Verleumdungen ggf. auch rechtlich begutachtet."

 

Die Juso-Hochschulgruppe kritisiert den ungenügenden Umgang mit Antisemitismus, den die PoC-HSG an den Tag legt. Dass die PoC-HSG Antisemitismuskritik reflexhaft dadurch abwehrt, dass sie mit Diskriminierungsvorwürfen quer durch den Katalog der Diskriminierungsformen wild um sich wirft, zeugt nicht nur von einer bedenklichen Einstellung bezüglich Antisemitismus-Awareness, sondern ist darüber hinaus respektlos gegenüber allen Menschen, die in ihrem täglichen Leben von diesen Diskriminierungen betroffen sind. Dass zudem, wie in Debatten geschehen, Antisemitismus-Awareness als solche als antimuslimisch-rassistisch delegitimiert wird, ist nicht nur kritikwürdig, sondern aufs Schärfste zu verurteilen. Kein Fußbreit dem Antisemitismus. Ausnahmslos. Egal von wem er ausgeht.

 

Die Juso-Hochschulgruppe kritisiert darüber hinaus die Art und Weise der Aufarbeitung der Vorfälle im AStA. Dazu zählt nicht nur das vollkommene Desinteresse, das viele Beteiligte dem Thema Antisemitismus entgegenbrachten, sondern auch das konsequente Kleinreden, Verdrängen, Ignorieren und Verteidigen von antisemitischen Handlungen, Strukturen und Organisationen. Auch AStA-intern wurde Antisemitismus-Awareness immer wieder delegitimiert, indem man jegliche Hinweise auf Antisemitismus als Verleumdung abtat und das Vorbringen von Belegen in Form von Veröffentlichungen und öffentlichen Aussagen als "Stalking" brandmarkte. Exemplarisch sei hier auch genannt, dass im Verlauf der Aufarbeitung ein äußerst plump und bösartig gefälschter Screenshot über eine besonders durch Antisemitismuskritik aufgefallene Person in Umlauf gebracht wurde, welche den Betroffenen dazu nötigte, seinen Facebookverlauf vom AStA-Vorstand überprüfen zu lassen, der schließlich nur seine Unschuld feststellen konnte.

 

Es ist im Kampf gegen Antisemitismus nicht damit getan, hochtrabende Adornozitate zu posten, wenn man davor und danach fest die Augen verschließt. Auch deswegen kritisiert die Juso-Hochschulgruppe noch einmal ausdrücklich die Absage des Antisemitismusvortrages im Rahmen des fclr. Der Kampf gegen Antisemitismus darf nicht nur dann geführt werden, wenn er allgemein ist und in ein paar wohlfeilen Sonntagsreden beschworen werden kann, sondern insbesondere auch dann, wenn es konkret und unangenehm wird.