Die Kritik an der Frauenförderung der JGU ist sachlich falsch und inhaltlich unverständlich

In den vergangenen Tagen äußerte sich der Universitätsmitarbeiter Manuel Deis in einem 'offenen Brief', gerichtet an Universitätspräsident Krausch, kritisch in Bezug auf die Frauenförderung der Universität. Die Juso-Hochschulgruppe lehnt diese Kritik ab, da sie sachlich falsch ist und inhaltlich an der Realität vorbeigeht.

 

"Um zu sehen, dass Frauenförderung notwendig ist, müsste Herr Deis nur einmal aus seinem Büro schauen", sagt Zehra Bulut, ehemaliges Mitglied im Senatsausschuss für Gleichstellungsfragen und Studentin im Fachbereich 08. So beträgt der Frauenanteil der Studierenden im Fachbereich 08 (Mathematik, Physik, Informatik), in dem Herr Deis arbeitet, nur 38 %. Schaut man sich die Geschlechterverteilung im übrigen Fachbereich an, wird das Bild nicht besser: Nur 21% bei den Promovierenden, nur 12% wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und nur 7% Professorinnen. Dass beim Girl's Day/Boy's Day Mädchen und junge Frauen gerade in diesen Fachbereich eingeladen werden, dürfte in anbetracht der Zahlen nicht verwunderlich sein.

Die von Herrn Deis aufgestellte Behauptung, dass Männer an der Universität auf dem Rückzug seien, ist schlichtweg falsch. So ist es zwar richtig, dass der Frauenanteil bei den Studienanfänger*innen bei etwas mehr als 60% liegt, den Rest der Statistik verschweigt Herr Deis allerdings wohlweislich: Obwohl mehr Frauen als Männer ein Studium beginnen, sind Männer und Frauen bei den Promovierenden bereits wieder gleichauf, bei den wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen sinkt der Frauenanteil bereits auf etwas mehr als 40%, bei den Professor*innen sinkt er bis auf 25%. Das Phänomen des sinkenden Frauenanteils, je höher man die Leiter hinaufschaut, zieht sich durch alle Ebenen der Universität, so auch durch die universitären Gremien. Auf 11 Dekane kommt eine Dekanin, im Senat beträgt der Frauenanteil 35%. In Anbetracht dieser Zahlen ist es nicht nur verständlich, sondern lobenswert, dass die Universität so viele Programme zur Frauenförderung unterhält und insbesondere zur Unterstützung und Beratung von Frauen, die eine Wissenschaftskarriere anstreben.

 

Die Kritik, die Herr Deis gegenüber der Frauenbibiliothek des AlleFrauen-Referates des Allgemeinen Studierendenausschusses ausübt, ist in der Sache nicht korrekt und darüber hinaus unangebracht. Das AlleFrauen-Referat verfügt, wie alle anderen Autonomen Referate des AStA, über ein jährliches Budget, über das es frei verfügen kann. Dass es einen Teil dieses Budgets in den Unterhalt und die Erweiterung einer sehr umfangreichen Bibliothek investiert, hält die Juso-Hochschulgruppe für begrüßenswert. Auch Männer können sich jederzeit alle Medien der Frauenbibliothek per Fernleihe ausleihen. Darüber hinaus gibt es auch als Mann die Möglichkeit, die Bibliothek an einem Tag der offenen Tür zu besichtigen. In den mehr als 20 Jahren des Bestehens der Frauenbibliothek, hat allerdings noch kein Mann von diesem Recht Gebrauch gemacht. Die von Herrn Deis behauptete Ungerechtigkeit für männliche Studierende in der Finanzierung der Frauenbibliothek besteht demzufolge nicht. "Wenn sich Herr Deis so sehr von den finanziellen Ungerechtigkeiten im Leben der Studierenden betroffen fühlt, könnte er sich ja als Nächstes des skandalösen Umstands annehmen, dass sein Job-Nahverkehrsticket als Mitarbeiter der Universität durch die Campus-Parkgebühren der Studierenden querfinanziert wird", so Robert Herr, studentisches Senatsmitglied.

 

Dass Herr Deis, der an seinem Arbeitsplatz im Fachbereich 08, Teil einer 88% starken männlichen Mehrheit ist, von einer zu fördernden männlichen Minderheit spricht, ist grotesk. Dass sein 'offener Brief' unterdessen im Internet und der Blogosphäre von radikalen Maskulinisten und Frauenhassern gefeiert wird[1], hätte er vorraussehen können.

 

Die Juso-Hochschulgruppe bekennt sich zur Notwendigkeit des Feminismus sowie zur Gleichstellung der Geschlechter und unterstützt die Universitätsleitung in ihrem Bestreben, die Universität zu einem Raum der Gleichstellung, der Diversität und frei von Diskriminierung zu machen.

 

 

[1] Siehe unter anderem: http://genderama.blogspot.de/2016/05/vermischtes-vom-2-mai-2016.html

 

Anmerkung: Alle statistischen Daten in dieser Pressemitteilung beziehen sich auf Erhebungen und Datensätze der Universität selbst, oder auf Zahlen des Frauenbüros der Universität Mainz.