Wieviel Plus steckt in Erasmus+?

Am 12. April verabschiedete das europäische Parlament den Beschluss über die Verbesserung des Programmes Erasmus+, das bereits 2014 entstanden war. Erasmus+ verbessert die Mobilität junger Menschen, für die fortan bereits ein Praktikum ab 2 Monaten im Ausland finanziell unterstützt wird, worunter nun auch die Lehramtsassistenz zählt. Alle Studierenden können in jedem Studiumszyklus bis zu 12 Monaten ihr Studium im Ausland absolvieren und das ab sofort auch im nicht-europäischen Ausland und ihnen werden Online-Sprachkurse zur Verfügung gestellt. Die Juso-HSG begrüßt diese und weitere Änderungen, sieht jedoch noch Verbesserungsbedarf.

 

„Wenn Sprachkenntnisse und Auslandsaufenthalte im Curriculum von Arbeitgeber*innen standardmäßig vorausgesetzt werden, dann muss das umfassende bildungspolitische Konsequenzen haben, denn Bildung ist ein Menschenrecht.“, sagt Kathleen Tetsch, Sprecherin der Juso-Hochschulgruppe. Erasmus+ muss für alle Menschen gleichermaßen zugänglich sein, weshalb diverse Schranken weiterhin abgebaut werden müssen. Es ist ein Trend zu beobachten, dass immer mehr junge Menschen europa- und weltweit mobil werden. Gleichzeitig bestehen hohe Abbrecherquoten über den gesamten Bildungssektor hinweg, eine Jugendarbeitslosigkeit von EU-weit 19,4% und ein Missverhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage. Des Weiteren ist Erasmus+ noch nicht inklusiv genug und benachteiligte Gruppen, wie sozioökonomisch schwache Menschen, Menschen mit Behinderung oder Menschen mit Migrationshintergrund haben ein großes Nachsehen in der Bildung. Robert Herr, studentisches Senatsmitglied, merkt zudem an, dass „Erasmus+ nicht nur für Hochschulstudent*innen ist. Bedenkt man, dass lediglich 1% junger Menschen in dualen Berufsausbildungen an dem Programm teilnehmen, so muss die Chancengleichheit für die Teilnahme an diesem Programm erst einmal grundlegend evaluiert und bedarfsgerecht angepasst werden.“

 

Die Juso-HSG fordert daher, Erasmus+ besonders für diskriminierte Gruppen sichtbarer zu machen und diese gezielter anzusprechen, den Antragsprozess transparenter und einfacher zu gestalten und eine von Grund auf ökonomische Gebundenheit an das Programm abzubauen. Dies betrifft u.a. die Verringerung der sprachlichen und kulturellen Schranken durch das kostenlose Bereitsstellen von Sprach- und Kulturkursen an den teilnehmenden Universitäten und das Anpassen dieser Kursangebote an die studentische Nachfrage. Elisabeth Straubinger, Sprecherin der Juso-Hochschulgruppe betont hierzu: „Ein Auslandsaufenthalt ist nicht nur damit verbunden, die beruflichen Chancen zu erhöhen. Erasmus+ bedeutet vielmehr die Überwindung monoperspektivischer Denk- und Handlungsmuster und die besondere Möglichkeit, Toleranz praktisch zu erlernen.“ Des Weiteren setzen wir uns für Flexibilität in den Anforderungen und im Anerkennungssystem der Leistungen im Studium und Praktikum ein. Schließlich müssen insgesamt angemessene finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, damit potentielle Teilnehmer*innen das Programm wahrnehmen und sich selbst informieren können.