Ein Schritt in die falsche Richtung 


Mit 115.000 Euro in den Miesen, wenn alles wirklich gut läuft. Einmal durch eine Prüfung fallen und es kann noch teurer werden. So sieht der neue Studiengang der Humanmedizin an der Hochschule Brandenburg  aus. Da ist der Kredit über 80.000 Euro, den eine Partnerklinik zur Verfügung stellt, nur ein kleiner Trost. Den Kredit gibt es natürlich nur, wenn sich die Absolvent*innen verpflichten, nach ihrem Abschluss hier zu arbeiten. Trotzdem ist der Andrang groß. Laut Ärzteblatt (Nr 1/23. Januar 2015) gab es mehr als 400 Bewerber*innen auf die 46 Studienplätze. 


Die Juso Hochschulgruppe lehnt das privat finanzierte Studium strikt ab. „Der Ärztemangel auf dem Land ist schon lange Realität. Trotzdem warten Bewerber*innen oft viele Jahre auf einen Studienplatz, da nicht genügend öffentlich finanzierte Studienplätze zur Verfügung stehen. Das Land Brandenburg macht es sich hier sehr bequem, wenn es die wichtige Aufgabe der Ausbildung von Ärzt*innen an private Anbieter abschiebt“, so Sebastian Walbe, Medizinstudent an der Uni Mainz. 


In Brandenburg werden zur Zeit keine Mediziner*innen in öffentlichen Hochschulen ausgebildet. Doch gerade in Brandenburg ist die Ärzt*innendichte pro Einwohner*in besonders gering. In einigen Gemeinden gibt es für verschiedene Fachrichtungen keine Facharztpraxen, die Arbeitsbelastung für niedergelassene Ärzte liegt ist um 25% höher als in anderen Bundesländern. 


„Ich halte es für falsch, das Medizinstudium in Brandenburg nur für Menschen zu öffnen, die bereit sind, mit über 100.000 Euro Schulden ins Berufsleben einzusteigen oder deren Eltern über entsprechende finanzielle Mitteln verfügen“, meint auch Anna Keller, AStA-Referentin für Hochschulpolitik (Juso Hochschulgruppe). „Dieser Trend ist leider schon lange zu beobachten“ ergänzt Sebastian Walbe. „Seit Jahren gehen Studierende mit dem entsprechenden finanziellen Hintergrund ins Ausland oder studieren an privaten Universitäten in Deutschland“.


Die Privatisierung des Studiums ist nur ein kleiner Teilbereich einer Gesellschaft, die sich zunehmend marktliberalisiert und die Kluft zwischen Wohlhabenden und Geringverdiener*innen vergrößert. Wir Jusos sehen diese Entwicklung mit großer Sorge. Bildung muss unverkäuflich und allgemein kostenfrei zugänglich bleiben!